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03/06 Spider-Man ****_
Bild von: Columbia TriStar
Zurück im Kino: Spider-Man stellte zum Start in den Vereinigten Staaten neue Einspielrekorde auf. Im Bild: Tobey Maguire in der Titelrolle.

Es ist schon einige Jahrzehnte her, dass Stan Lee und Steve Ditko mit ihren Spinnenmann-Comics Jugendliche wie Erwachsene zugleich begeisterten und Konkurrenten wie Batman oder gar Superman nachhaltig alt aussehen ließen. Sam Raimi heißt nun ein bisher relativ unbescholtener Regisseur ("The Gift - die dunkle Gabe"), der sich an die Verfilmung dieses Kultes gemacht hat und einiges heraufbeschwörte: Kritik, Todesdrohungen, aber auch den bisher erfolgreichsten Start eines Films in den USA.

An der Umsetzung der "Spider-Man"-Comics mit realen Schauspielern auf der großen Leinwand scheiden sich die Geister, wie so oft bei der Ausschlachtung von erfolgreichen Trends. Bei "Spider-Man" ist alles noch etwas diffiziler: Die Fangemeinde konnte sich in den letzten 40 Jahren zu einer intoleranten Freakfamilie entwickeln, die jede ach so kleine Änderung Raimis mit Argwohn begegnete. Doch das US-Kassenergebnis ließ selbst die schärfsten Kritiker verstummen.

Bild von: Columbia TriStar
Spider-Man (Tobey Maguire) kämpft mit seinem Erzrivalen, dem Grünen Kobold (Willem Dafoe).

Teils theatralisch, teils erfrischend ironisch fliegt Hollywoods Milchgesicht Tobey Maguire alias Peter Parker als Spinnenmensch an organischen Fäden durch Häuserschluchten und direkt in das Herz von Mary Jane Watson (bezaubernd wie eh und je: Kirsten Dunst). Vorbei sind die Zeiten, als Peter ein unauffälliger, durchschnittlicher Junge war, der von allen gehänselt wurde. Bei einem Laborbesuch beißt ihn beim hormonintendierten Fotoshooting mit Mary Jane eine genmanipulierte Spinne - und schon wachsen ihm über Nacht Muskeln, seine neu gewonnene Sehkraft überwältigt die Brillenschlange, und schließlich schießen ihm auch daumendicke Spinnenfäden aus dem Handgelenk.

Das ist alles nicht eklig, sondern mit Witz und Spielfreude umgesetzt, wenn auch nicht unbedingt logisch nachvollziehbar. Comic-Fans bemängelten, dass der Ur-Spider-Man seine Fäden selbst im stillen Kämmerlein produzierte - und zwar aus Synthetik-Fasern. Regisseur Raimi weigerte sich indes, weil ein normaler Highschool-Boy wohl kaum eine solche kleine Fabrik im Kinderzimmer errichten könnte. Nichtsdestotrotz gibt es im Film aber auch neben vielen Gefühlen allerhand handfeste Action: Der grüne Kobold (Willem Dafoe), namentlich der betuchte "Jeckyl & Hyde"-Vater von Peters bestem Freund, könnte fieser nicht sein und verliert sich in Mordlust und Zerstörungswut.

Bild von: Columbia TriStar
Peter Parker (Tobey Maguire) stellt Veränderungen an seinem Körper fest.

Es geht um den elementaren Kampf zwischen Gut und Böse. Während Spider-Man an jedem Ort, bei jedem Verbrechen im bemitleidenswerten Moloch New York zur Stelle ist, hat er es nun weniger mit kleinen Gaunern, sondern mit dem technisch hervorragend ausgestatteten Kobold zu tun. Der verwandelt sich freudig wechselseitig in den unbescholtenen Wissenschaftsindustriellen Norman Osborn, der sich als persönlicher Förderer des begabten Peter Parker sieht, und schnurstracks wieder in den mit Feuer und Laser ballernden Schurken. Natürlich kommt es zum Showdown, und freilich kommt auch dieses furiose Finale nicht ohne Augenzwinkern aus.

Das Duell zwischen der Episode 2 der "Star Wars"-Reihe und der Comic-Verfilmung scheint weltweit schon vor dem Deutschlandstart von "Spider-Man" entschieden: Obi Wan und Co. haben es nicht geschafft, die zwar einfach gestrickte, aber um so unterhaltsamere Geschichte des Spinnenmanns hinter sich zu lassen. Auch in Deutschland wird sich der Reiz des grellen Comicstrips wohl auf die Leinwand ausdehnen. Da trübt auch nicht die etwas kitschige, aber nun mal althergebrachte Schlusssequenz die Zuschauerfreude.


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