SiSA - Das Event-Port für Augsburg : 17/06/2002

Spirit - Der wilde Mustang

Ein neuer Schlag gegen Disney: Dreamworks inszenierte die Geschichte der USA als tierisch-emotionale Pferde-Erzählung.
V: UIP, USA 2002 R: Kelly Asbury, Lorna Cook

Bildvon: UIP
Mit "Spirit - Der wilde Mustang" präsentiert Dreamworks ein Zeichentrickabenteuer der besonderen Art.
Es ist so dreist manipulierend wie offensichtlich überzogen: Gerade ist der unzähmbare Wildhengst mit seinem besten Freund Little Creek, einem jungen Indianer, durch einen unglaublich tapferen Sprung über eine Schlucht dem brutalen Kavallerieoffizier entkommen, da nicken sich Gut und Böse über die sichere Distanz anerkennend zu. Die Jagd ist vorüber, und im Hause der Produktionsfirma Dreamworks kann man sich sicher sein: Mit "Spirit - Der wilde Mustang" ist dem David des Trickfilms ein herber Schlag gegen den übermächtigen Disney-Konzern gelungen. Es stimmt vieles: Technik, Zeichnung und inhaltliche Glaubwürdigkeit.

Bild von: UIP
Opulente Bilder zu außergewöhnlicher Musik: "Spirit - Der wilde Mustang".
Produzent Jeffrey Katzenberg, der seine ganz persönliche Genugtuung schon beim Triumph über seinen früheren Arbeitgeber Disney bei "Shrek - Der tollkühne Held" erlebte, war mutig genug, die Geschichte des amerikanischen Westens aus der Sicht eines Pferdes zu erzählen. Dabei hat der Mustang nicht den illusorischen Charme von Fury, sondern begeistert die vornehmlich jungen Zuschauer durch echtes Wiehern und wenig unrealistische Vermenschlichungen. Auf die authentische Animation der unterschiedlichsten Pferderassen wurde besonders viel Wert gelegt: Durch traditionelle Zeichentechniken, kombiniert mit den neuesten Animationsmöglichkeiten am Computer gelang eine bisher ungekannte Detailtreue, die aber immer die Wärme von handgezeichneten Charakteren behält.

Nachgezeichnet wird die Geschichte eines wilden Mustangs - von der Geburt bis zur ersten großen Liebe, die zusammen mit der wiedergewonnenen Freiheit zum Ausdruck des puren Glücks wird. Viel Musik, in der deutschen Fassung gewollt intensiv gesungen von Hartmut Engler ("Pur"), und faszinierend bunte Bilder sollen aber nicht nur Kinder ansprechen. Die Produktionen eines Jeffrey Katzenberg zielen seit jeher auf ein älteres, erwachsenes Publikum. Doch dieses Mal verstecken sich - anders als bei "Shrek" oder "Antz" - keine Ironie oder Doppeldeutigkeiten im Plot: Der Film solle ans Herz gehen, nicht in den Kopf, meinte Katzenberg schon bei der Präsentation einiger Filmszenen im Frühjahr.

Bild von: Rodolphe Escher
Der deutsche Filmkomponist Hans Zimmer steuerte die Musik zu
Dass dies gelingt, ohne den galoppierenden Hauptdarstellern allzu viel Menschlichkeit anzudichten, ist keine Selbstverständlichkeit. Tierische Trickfilme zeichneten sich bisher vor allem dadurch aus, urige Menschenbilder in Tierkörper zu verpflanzen. Bei "Spirit" gibt es freilich auch einige konventionelle Motive (Liebe, Rivalität, Freundschaft), doch bewegt sich die Handlung stets in eng gesteckten Bahnen. Der Mustang spricht nur spärlich im Off als Geschichtenerzähler, und wenn die großen Augen der Pferde zu viel Gefühl aus dem Zuschauer herauskitzeln wollen, folgt sofort ein typisch animalisches Verhalten. Diese Distanz ist gewollt, verstärkt aber eher die enge Bindung des Kinogängers mit den Charakteren.

Das Projekt war gewagt. Katzenberg probierte viel Neues aus - vertraute aber auch auf bekannte Stilmittel, ohne die ein Film bei jedem Kinopublikum durchfallen würde, ob es nun jung oder alt ist. Also: Die Bösen bekommen ihr Fett weg. Und dafür, dass Dramatik, Trauer, Freudentaumel und letztendlich eine aufkeimende Liebe treffend eingebracht werden, sorgte das Regie-Duo Kelly Asbury und Lorna Cook. Vor ihrer Arbeit für Katzenberg hatten sie zwar nicht viele Referenzen vorzuweisen, doch gerade in einem so harten und umkämpften Geschäft wie das um die kleinen Zuschauer ist ein frischer Wind durchaus hilfreich.
Den Mustang als Trailer gibts hier.
Trailer Spirit (Windows Media)

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