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SiSA Artikel
01/02 Salt Lake 2002 ***__

So viele Eröffnungszeremonien hat es für die Konsolen und PCs dieser Welt nun schon gegeben. Gerne erinnern sich ältere Zocker an die als solche grobkörnigen Tauben, die auf dem 64-er aufstiegen. Eidos Interactive war es dank Originallizenz des IOC nun vorbehalten, zu den bevorstehenden Olympischen Winterspielen das Begleitgame zu servieren. Ein böses, vielleicht etwas überzogenes Urteil vorab: Wir schauen lieber fern.

Die erste und womöglich gravierendste Schwäche von "Salt Lake 2002" offenbart sich schon beim Blick auf die flotte DVD-Verpackung: Es sind insgesamt nur sechs Wettbewerbe, die zur Verfügung stehen. Viel zu wenig, um dauerhaft für Abwechslung zu sorgen, zumal auch die Auswahl nicht gerade fantasievoll geraten ist: Abfahrt, Snowboard-Riesenslalom und der Slalom gehören zudem ins gleiche Genre. Dazu Zweierbob, Freestyle-Skispringen und natürlich das Skispringen selbst, neuerdings der Deutschen liebstes Kind. Das alles ist nicht neu, hat es so oder so ähnlich schon gegeben, und es bleibt die Frage, wann sich jemand endlich an andere Sportarten wagt: Biathlon, Eiskunstlauf, Eisschnelllauf zum Beispiel. All das hat es zwar schon einmal gegeben, aber das ist lange her.

Die geringe Zahl der zur Auswahl stehenden Disziplinen ist jedoch nicht das einzige große Problem von "Salt Lake 2002". Über alle Wettbewerbe hinweg wirken die Motion Capturing Animationen in den Detailaufnahmen zwar recht ansprechend, aus der Ferne jedoch sieht vieles erstaunlich grob aus. Gerade bei den alpinen Wettbewerben fällt zudem eine präzise Steuerung schwer. Dennoch sollten die einzelnen Disziplinen getrennt voneinander näher unter die Lupe genommen werden. Der Abfahrtslauf gehört ganz sicher zu den gelungeneren.

Hier gilt es, den Athleten (Herkunft und Name können frei gewählt werden) über etwa eine Minute und 20 Sekunden hinweg den Hang hinab zu steuern, wobei sich bald zwei bis drei Schlüsselstellen offenbaren, die über das Schicksal entscheiden. Wer die Strecke perfektioniert hat, wird am Ende um Hundertstel kämpfen müssen. Leider ist der Athlet selbst in seinem Bewegungsablauf offensichtlich eingeschränkt, und auch die Stürze sind nicht gerade eine visuelle Offenbarung.

Vor allem der Snowboard-Riesenslalom leidet unter der Steuerung. Die Kurven müssen in der Regel auf seltsame Weise eingesprungen werden, vieles ist Glückssache, ein flüssiger Ablauf ist kaum möglich. Viel schlimmer gestaltet sich der Slalom, der in dieser Form kaum für eine Spiele-Umsetzung geeignet ist und außerdem mit der Realität so gut wie gar nichts zu tun hat. Fehlerloses Fahren ist kaum möglich, alles ruckelt und zuckelt, und viel zu oft sind die Tore kaum zu erreichen. Nicht schön.

Recht unaufwändig gestaltet ist das Freestyle-Springen, bei dem es darum geht, während der Flugphase möglichst punktgenau die richtigen Tastenkombinationen zu drücken, um den Sprung, dessen Schwierigkeitsgrad zuvor festgelegt wurde, im Sinne der Punktrichter zu gestalten. Ebenfalls in dieser Form keine neue Idee. Dumm, dass es auf diese Weise unmöglich ist, die Springerin selbst in ihrer Flugphase zu beobachten. Zudem sind die Einblendungen der geforderten Tastenkombinationen viel zu klein geraten, der Unterschied zwischen Kreis- und Vierecktaste ist kaum auszumachen.

Flotter von der Hand geht das Skispringen, das leicht zu erlernen ist, aber leider auch recht schnell langweilig wird. Durch die Kürze des Wettbewerbs entsteht hier so gut wie kein olympisches Gefühl. Spannender gestaltet sich da schon das Bobfahren, vielleicht der gelungenste Wettbewerb. Hier kommt es nicht nur auf einen guten Start an, der mit der guten, alten Schnellhämmer-Methode erreicht wird, sondern auch auf ein präzises Einlenken in die Kurven.

Dies alles lässt sich in insgesamt vier Spielmodi einbinden: Beim klassischen Olympischen Wettbewerb werden die Disziplinen nacheinander durchgespielt. Mehrere Schwierigkeitsgrade sind einstellbar, die mehr oder minder gute Leistungen der Gegner zur Folge haben. Dazu kommen das freie Training, ein klassisches Turnier und ein Wettbewerb. Im einen Fall müssen Vorgaben des Computers unterboten werden. Wer's nicht schafft, verliert eines von drei Leben. Im anderen Fall tritt man in einem Turnier gegen direkte Konkurrenten an und kann sich mit einem Sieg bis ins Finale vorkämpfen.

Untermalt wird das alles durch einen flotten Kinderpunk-Soundtrack. Das Olympische Turnier wird von einem Moderator abwechslungsreich begleitet, wobei der schon mal Schelte für einen grandiosen Goldmedaillen-Sprung verteilt. Nicht der einzige Fehler im Übrigen. So wird bei den Siegerehrungen aus dem weißen Amerikaner, den man gerade auf sensationelle 133 Meter geflogen hat, schon mal ein Schwarzer. Die Hymne erklingt, Abgesang.


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