29/04 Dark Blue World 



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Bild von: Helkon. Die beiden tschechischen Piloten Karel Vojtisek (Krystof Hadek, links) und Franta Slama (Ondrej Vetchy) sind nach Großbritannien geflohen |
Was macht Menschen zu Helden? Kann die Liebe zur gleichen Frau die Freundschaft zwischen Männern zerstören? "Dark Blue World" zeigt universale menschliche Erfahrungen und sieht dabei wie ein tschechisches "Pearl Harbor" aus. Regisseur Jan Sverák erfindet mit seinem Drama die Liebe in Zeiten des Krieges nicht neu, kann ihr aber eine melancholische und witzige Note hinzufügen.
"Wann dürfen wir endlich fliegen?" Die tschechischen Piloten auf dem Luftwaffenstützpunkt der Royal Air Force haben genug von den Trockenübungen und dem Büffeln der englischen Sprache. Schließlich flohen sie nicht aus ihrer von Nazis besetzten Heimat, um auf Englands grünen Hügeln mit auf Fahrrädern montierten Flugzeugattrappen Krieg zu spielen und tatenlos zuzusehen, wie über ihnen der wirkliche tobt. Besonders eilig, Einsätze gegen den Feind zu fliegen, hat es der junge Karel (Krystof Hadek). Er lernte von seinem 20 Jahre älteren Mentor Franta (Ondrej Vetchy) das Pilotenhandwerk und kam mit ihm auf die Insel.
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Bild von: Helkon Susan (Tara Fitzgerald) trifft in England auf den jungen Piloten Karel (Krystof Hadek). |
Die beiden sehr unterschiedlichen Männer verbindet eine innige Freundschaft. Sie wird durch Momente der Lebensgefahr, in die sie bei späteren Einsätzen geraten, immer wieder auf die Probe gestellt. Eine andere extreme Erfahrung in dieser verrückten und dramatischen Zeit machen sie in der Liebe. Die kühle, nobel wirkende Engländerin Susan (Tara Fitzgerald, "Brassed Off") beginnt mit beiden Männern eine Affäre, gibt aber am Ende Franta den Vorzug. Vor der persönlichen Tragödie des gebrochenen Herzens und dem Verrat der Freundschaft treten für Karel die Schrecken des Krieges in den Hintergrund. Doch obwohl er den Respekt vor dem ehemaligen Freund und Vorgesetzten verloren hat, muss er weiter mit ihm in den Kampf ziehen.
Die letzten Helden Tschechiens - Männer, die nicht gezwungen waren, gegen die Nazis zu kämpfen, sich aber dennoch zur Flucht entschlossen und einer anderen Armee beitraten - stehen im Mittelpunkt des Films. Wer den Krieg überstand und heimkehrte, erlebte eine böse Überraschung: Anstatt Ruhm und Ehre wartete auf die Männer die Strafanstalt. Sie galten als potenzielle Feinde des Kommunismus der CSSR, und es wurde befürchtet, sie könnten erneut für die Freiheit kämpfen.
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Bild von: Helkon. Durchaus aufwendig hat der Regisseur Jan Sverák |
Bei Jan Sverák erscheinen diese mutigen Piloten als lustiger und leidenschaftlicher Haufen, der mit dem akkuraten Wesen der Engländer seine Probleme hat. Wo "Pearl Harbor" auf Knallbonbon-Effekte setzt, arbeitet der Tscheche mit genau gezeichneten Charakteren. Feinsinnig fängt er die Stimmung unter den wie Underdogs behandelten Tschechen ein, irgendwo zwischen Langeweile, Lebenslust und Angst.
Wie schon bei "Kolya" erweist sich das Team Jan und sein Drehbuch schreibender Vater Zdenek Sverák als Gewinn. Zu ihrer Handschrift gehören Melancholie und Gefühlswirrungen, die sich hinter einem stolzen Blick zu verbergen versuchen. Trotz des geringen Budgets von sieben Millionen Dollar sieht der Film nach einem professionellen Kriegsdrama mit halsbrecherischen Flugszenen aus. Und wer sparen muss, kommt zu interessanten Einsichten. Jan Sverák: "Als wir entdeckten, dass Spezialeffekte genauso viel kosten wie einen echten Zug zu sprengen, beschlossen wir, einen zu kaufen."