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03/06 Flickering Lights **___
Bild von: Arsenal
Die Bande von Torkild erledigt einen allerletzten Auftrag.

Das dänische Kino muss sich eigentlich nicht verstecken. Freilich lassen sich Blockbuster nirgendwo besser produzieren als im Film-Mekka Hollywood, doch ambitionierte Werke aus Nordeuropa finden immer wieder ihre Anhänger. Mit "Flickering Lights" kommt nun ein Kleinod absurder dänischer Filmkunst ins Kino, das schon bei den Lübecker Nordischen Filmtagen im November vergangenen Jahres zu sehen war. Leider gibt es einige Enttäuschungen.

Man fühlt sich zwangsweise an die Kino-Groteske "In China essen sie Hunde" erinnert. Was als merkwürdige Gangstergeschichte beginnt, entwickelt sich mit der Zeit zu einer Action-Komödie, die mit einem Panoptikum unverständlicher Merkwürdigkeiten gefallen möchte. Vermutlich liegt das an der ideenarmen Handlung, die es auch schon irgendwo einmal gegeben hat: Torklid, so der Name des Protagonisten, ist ein selten intelligenter Pechvogel (selten nichts sagend: Sören Pilmark). Mit seiner Ganovenbande, zu welcher der kokainsüchtige Peter (leider: Ulrik Thomsen), der Waffennarr Arne (skurril: Mads Mikkelsen) und der esslustige Stefan (heiter: Nikolaj Lie Kaas) gehören, fühlt er sich in der Rolle eines Dienstleistungsunternehmens. Sie arbeiten ausschließlich für andere Verbrecher, denen Chef Torklid Geld schuldet. Und nun übernehmen sie die Drecksarbeit.

Bild von: Arsenal
Die Gegenwart ist traurig, doch der Traum vom Süden bleibt.

Ein Wendepunkt kommt, als die Freundin des bemitleidenswerten Chefverlierers Reißaus nimmt: Es soll ein Ende haben mit der ewigen Flucht und den kriminellen Machenschaften. Wie so oft muss aber noch ein letzter großer Coup erledigt werden, wonach sich Torklid mit seinen Kumpels und der Beute nach Barcelona absetzen will. Natürlich kommt das kriminelle Quartett nicht weit; der gestohlene Ford Transit mit Rostbeulen und Baujahr 1971 fängt Feuer, und im deutschen Grenzgebiet verstecken sich die Vier in einem alten Gasthaus. Dort scheinen sie ihr Ziel vorzeitig erreicht zu haben: Sie leben ihre Utopie. Doch es kommt - natürlich - zum grotesken Showdown, bei dem der "Mann von Farö", ein dem Paten ähnlicher Edelgauner, nicht nur einige Worte mitzureden hat.

Merkwürdige Gestalten, merkwürdiger Plot, merkwürdiges Ende: Regisseur Anders Thomas Jensen schaute einerseits viel von der Konkurrenz ab, konterkarierte es andererseits und spitzte die Szenerien und Charaktere derart auf das Abnormale zu, dass es wirklich keine Freude mehr ist zuzuschauen. Wieso er versucht, einem konsumkritischen David Fincher zu entsprechen, indem er sich indirekt als Kritiker eines Dienstleistungskollektivs übt, ist ebenso unverständlich und zündet wenig, wie die Story nur leidlich unterhält. Es wäre zu wünschen, dass sich auch im dänischen Kino mehr Mut zu Filmen fürs große Publikum entwickelt. Erst recht der skandinavische Film muss sich nicht hinter der Fassade des Grotesken verstecken.


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